Schweine

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Haltung   Metzgen, Fleisch   Früher   Projekte, Stall-Freilandhaltung

Seit dem Neubau 1986 werden die Mattenhof-Schweine in drei geräumigen Offenfrontbuchten à je 20 Tiere mit Laufhof, Strohliegefläche und Fressplatz gemästet. In 4-6 Monaten wachsen die 20-25 kg schweren Färli zu 110-120kg schweren, schlachtreifen Tieren heran. Die meisten verkaufen wir heute an die Fidelio Biofreiland AG für aargauische Biometzgereien, etwa 10 Tiere pro Jahr vermarkten wir direkt als 5- und 10kg Mischpakete. Via Kundenbrief erfahren Sie, bis wann Sie sich anmelden können.

Haltung

Die ungefähr 10 Wochen alten Biofärli holen wir mit dem Autoanhänger direkt beim Züchterbetrieb. Bei uns können sie den grossen Laufhof erkunden, im Stroh wühlen und schnüffeln, am Holz raffeln, über Stufen auf den Fressplatz gelangen und sich an die grossen Keramik-Futtertröge und an die Tränkenippel gewöhnen. In der kalten Jahreszeit bauen wir über den Liegebereich eine Hütte, sodass die Färli wenigstens im Stroh nicht voll dem garstigen Wetter ausgesetzt sind. Wenn wir mehr als 20 Tiere neu eingestallt haben, müssen wir in ein paar Wochen die anderen 2 Buchten ausmisten und hochdruckreinigen, damit wir die Gruppen tauschen können: Die verbliebenen schlachtreifen Tiere der Buchten 1 und 2 kommen in die Bucht 3 und die kleinen bekommen die beiden über den Laufhof zusammengehängten Buchten. Jetzt müssen sie sich entscheiden, in welchem Liegeabteil, neben welchen Kollegen und Kolleginnen sie schlafen möchten… Und zweimal pro Tag, wenn eine Biofutter-Mehlmischung und allenfalls gedämpfte Kartoffeln in den Trögen verteilt und mit Wasser suppig gemacht werden, müssen sie sich entscheiden, bei welchem Tor sie um den Ersteintritt kämpfen wollen.

Metzgen, Fleisch

Die Schlachtreife der Schweine ermitteln wir mit dem Messen des Brustumfanges mit einer Schnur, die als solche markierten Tiere werden beim Fressen in den Gang bugsiert, von dort gelangen die maximal 7 Tiere (mehr können wir mit unseren Fahrzeugen nicht transportieren) über eine Rampe in den Autoanhänger, mit dem sie auch schon auf den Hof gekommen sind. Weil es beim Laden in der Regel Nacht ist und wir den Anhänger beleuchtet haben, gehen die Schweine meistens von sich aus aus dem dunklen Stallgang auf die Zugbrücke und in den eingestreuten Anhänger. Wenn alle drin sind, braucht nur das Fallbrett des Anhängers runtergelassen zu werden, und die armen Schweine sind verladen. Nach einer 30 minütigen Fahrt sind sie in Wohlen beim Schlachtbetrieb Braunwalder AG oder nach 10 Minuten bei der Metzgerei Schwander, Walterswil. Dort werden sie in einen kleinen Pferch getrieben, mit einer Stromzange bewusstlos gemacht, aufgezogen, ausgeblutet und in der Brühmaschine enthaart. Diese letzten Stunden unserer Schweine sind nicht die glücklichsten Stunden einer Bäuerin, wir trösten uns aber ein wenig mit dem Gedanken, dass sie für Nutztiere ein „schönes“ Leben hatten, ohne Angstgefühle zu zeigen verladen wurden und beim Metzger neugierig und ohne die von uns so gerne vermutete Vorahnung in die letzte Bucht gehen.

Früher

Schweine werden seit 100en von Jahren auf (Kölliker) Höfen gehalten. Allerdings waren es pro Hof nur 1-2-wenige Tiere, die in ganz kleinen Verliessen, oft ohne Tageslicht (von Auslauf gar nicht zu reden) nur die Aufgabe hatten, Resten zu verwerten, Fett und Därme für Würste, Borsten, Schwarten, Speck und natürlich auch ein paar gute Fleischstücke für Festessen zu „produzieren“. Auf dem Mattenhof lebten…

Projekte, Stall-Freilandhaltung

Schweine sind sehr intelligente Tiere, die in der „Natur“, solange es hell ist, quadratkilometergrosse Reviere nach Fressbarem absuchen und genau wissen, wann, was, wo „geerntet“ werden kann. Als Haustiere zeigen sie zwar das Nahrungserschliessungs-Verhalten schon noch beim Raffeln des Rüssels an irgendwelchen Wänden, beim Nodere im Auslauf, in der Tiefstreue – wobei sie rechte Mengen Stroh fressen, der Konsistenz des Kotes nach zu schliessen. An der Aufregung, dem lauten Schreien, der sprichwörtlichen Gier der Schweine, wenn es dann einmal Futter gibt, sieht man, dass die Tiere ihr Verhalten nicht richtig ausleben können. Die Freilandhaltung ermöglicht den Schweinen ein richtiges Wühlen, kann aber mit der oft monotonen Ackerfläche auch keinen Wald ersetzen. Weil wir in der Gegend extrem hohe Landwirtschafts-Landpreise von bis zu 15 Fr./m2 haben, würde uns Kulturlandfläche für Schweine reuen, zudem bräuchte es einen ziemlichen Aufwand, die Schweine dazu zu bringen, ihre Fäkalstellen sporadisch zu wechseln, damit kein Grundwasserproblem entsteht. Lieber würden wir den Schweinen weniger hochwertiges Futter anbieten, z.B. Gras, Klee, Karottensortier- und Gemüserüstabfälle, an denen sie länger zu kauen hätten. Leider kommen die beiden modernen rosa Hochleistungsrassen in der Schweiz mit diesem Futter nicht so gut klar, das heisst, wegen dem kürzeren Darm kann das Raufutter schlechter verdaut werden und die Fettqualität im Schlachtkörper leidet. Also: Für eine „tiergerechtere“ Schweinehaltung suchen wir eine Rasse, eine Kreuzung, die gut Raufutter verwerten kann und damit gleichzeitig auch einen ökologischen Vorteil hätte, weniger die menschliche Ernährung zu konkurrenzieren, und die weniger krankheitsempfindlich („Robustrasse“) ist. Wir sind gespannt, wie und wann wir in Kölliken dieses Ziel erreichen können, wenn möglich gerade noch kombiniert mit dem Verzicht auf die leidige Kastration der Eberli, mit „regionalen Kreisläufen“ (kurzen Transportwegen). Eines ist uns klar: Dieses Fleisch wird feisser sein, auch im Preis, dafür wäre es dann wirkliches „Bio“-Fleisch.

2011 kamen wir zum Projekt Wollschwein des Hofes Kasteln dazu – in der Hoffnung, ebendiese Wunder-Bio-Rasse gefunden zu haben – mästeten wir in bis zu 5 improvisierten Buchten (davon zwei im Mutterkuhstall) Gruppen bis zu 15 Tieren, verabschiedeten uns aber 2016 langsam aus dem Projekt, weil die Mastdauer wegen „Absatzproblemen“ oft zu lange und damit der Futterverbrauch und Betreuungsaufwand zu gross war und die Tiere auch für unseren Geschmack zu viel Fett ansetzten.