Mutterkühe

mutterkuehe

Tier-Haltung   Natura-Beef

Weil uns die Melkarbeit mit unseren damals 13 Simmental-Fleckviehkühen zu viel wurde, stellten wir 2003 auf Mutterkuh-Haltung um. Hier wird das Melken von den Kälbern übernommen – jetzt müssen wir die Milch zukaufen, dafür können wir ein gutes Fleisch verkaufen – so zart wie Kalbfleisch, so aromatisch wie Rindfleisch. Dafür gibt es in der Schweiz das Label Natura-Beef-Bio. Etwa 6Mal im Jahr verkaufen wir im Hofladen 5- und 10kg Mischpakete. Via Kundenbrief erfahren Sie, bis wann Sie sich anmelden können.

Tier-Haltung

Von den momentan 16 Mutterkühen haben wir 4 selber aufgezogen, 4 kommen von einem befreundeten Biobetrieb in Rafz (Red Holstein X Limousin-Kreuzungen), 5 von Gstaad und Umgebung (also Original SimmentalerInnen) und 3 Tiere haben wir von diversen Biobetrieben aus der Schweiz gekauft. Acht Tiere tragen Hörner. Dieses Rassen- und Herkunftsgemisch entstand, weil wir 2003 die Umstellung auf Mutterkuh-Haltung mit unseren ehemaligen Milchkühen machten und so nicht auf einmal einen neuen Viehbestand kaufen mussten. Wichtig sind für uns nicht eine einheitliche Rasse, dafür eine gute Gesundheit und Fruchtbarkeit der Kuh (jedes Jahr ein Kalb, das auch ohne Geburtshilfe auf die Welt kommt), ein gutes Fundament (das meint in der Fachsprache gesunde Beine und Klauen), eine ausreichende Milchleistung – für das Kalb – und zuletzt natürlich auch ein nicht zu wildes und scheues Tier, damit es für die zahlreichen BetreuerInnen bei uns nicht zu gefährlich wird. Hörner dürfen unsere Tiere tragen, der Stall ist geräumig und das Fressgitter gemacht für behornte Tiere. Wir runden aber die Hornspitzen, weil rangniedere Tiere sonst zu deutliche Striemen im Fell herumtragen.

Von April bis November holen sich die Tiere auf den ca. 9 Weidekoppeln einen Teil des Futters selber, je nach Wetter und Futtermenge können sie den ganzen Tag bis ein paar Stunden jeweils draussen sein. Wenn die grossen und schweren Kühe zu grossen Schaden auf der Grasnarbe anrichten würden oder zu wenig Gras finden, füttern wir sie im Stall mit sogenannt eingegrastem Futter: Beim Eingrasen schneiden wir jeden Tag mit dem Motormäher „Doppelmaden“ „Kunstwiesengras“ (für 1-3 Jahre angesäte Wiese auf Ackerland), im späten Herbst manchmal die eine oder andere Naturwiese im Dorf. Aufgeladen und im Futtertenn abgeladen wird das Gras mit dem Ladewagen. Im Winter bekommen unsere Kühe Grassilage aus den alten Holzsilos oder von Rundballen und Heu. Einen grossen Anteil unseres Heustockes macht das sogenannte Ökoheu aus, Heu von nicht gedüngten, spät genutzten Wiesen im Dorf. Weil die Kühe dieses alte Heu nicht (so) gerne fressen, ist es gut, wenn auch noch Lagen von süssem Kunstwiesenheu auf dem Stock sind, durch das blockweise Herausnehmen des Heus werden die verschiedenen Heuqualitäten gemischt.

Kraftfutter“ erhalten unsere Kühe und Kälber nicht, in einem eigentlichen Milchviehgebiet (fruchtbare, intensiv bewirtschaftbare Mittellandböden mit langer Kulturzeit) sollte das nicht nötig sein. Das Einzige, das von weit her herangekarrt wird, sind die ca. 20 Mineralsalzsäcke pro Jahr – das absolute Minimum, aber doch eigentlich ein wenig verrückt, wenn dieser Luxus allen Kühen auf der Welt geboten würde.

Lange haben wir bei der Umstellung auf Mutterkühe an einer Stall-Umbau-Variante herumgetüftelt, bei der möglichst viele bestehende Gebäudeteile hätten umgenutzt werden können und wir sind am Schluss auf eine vermutlich funktionierende Version gekommen, haben aber realisieren müssen, dass auch dieser Umbau baulich nicht ganz gratis sein würde, dafür aber viele jetzige Nutzungen (Hofladen, Lagerraum für Kartoffeln/Karotten-Paloxen, Getreide, Maschinen) verunmöglicht hätte. Darum bauten wir 2003 zusammen mit der GLB Aargau und dem Zimmermann Franz Heim einen neuen, sogenannten TiefstreuOffenfrontstall. Geräumig, sonnig, luftig, flexibel und günstig ist er bis heute, das grosse Weidetor auf der einen Seite für Tiere und Traktoren, der flexible Weideausgang auf der anderen Seite, das mit dem Traktor-Heckstapler erreichbare Strohlager, die All in One-Lösung Verladeraum-Abkalbebuchten-Kälberschlupf am Westende des Stalles „verheben“ seit Anbeginn. Bei anderem mussten wir dazulernen:

Das offene Strohbett (Tiefstreue) für Kühe und Kälber ersetzten wir 2009 durch Liegeboxen, weil wir zuviel Stroh verbrauchten und die Sauberhaltung der Tiefstreue zuviel Zeit beanspruchte. Die Holzpalisaden an der Futterachse sahen zwar schön aus, waren aber für die Tiere sicher schmerzhaft, wenn sie den Kopf nicht oben ausfädelten, sondern nur herausrissen, zudem konnte man die Tiere zuwenig zuverlässig fixieren beim Fressen oder wenn der Tierarzt kam. 2005 ersetzten wir also die aufwändig montierten Holzbretter ab und ersetzten sie durch xkg Eisen, einem sogenannten Fangfressgitter. Ebenfalls ausgewechselt werden mussten die von den Kühen kaputteten Federbürsten, an ihre Stelle kam eine grosse, hängende Bürste, die von einem 300W-Elektromotor angetrieben wird, wenn der Bewegungssensor eine Lageänderung registriert. Die Kühe benützen die rotierende Bürste sehr gern und sind seither deutlich gepflegter.

Natura-Beef

Wenn das Kalb das Alter von 10 Monaten erreicht hat, sollte es zum Metzgen angemeldet werden, damit es den Label-Vorgaben von Mutterkuh Schweiz entspricht. Das Natura-Beef ist jetzt 180-280 kg schwer, die Fleischqualität ideal, die Grösse der Fleischstücke auch und seine Mutter ist schon wieder hoch tragend und wird in einem Monat, wenn alles rund lief, das nächste Kalb gebären. Höchste Zeit, dass ihr eine sogenannte Galtzeit gewährt wird, wo sich ihr gestresstes Euter erholen kann.

Zum Verladen treiben wir das Tier vom nahen Fressplatz ganz gemütlich in den Kälberschlupf, der zugleich Verladeabteil ist, und von dort aus komplimentieren wir es in einen Pferdeanhänger, und nach 10-15 Minuten Autofahrt kann es Urs Schwander, Walterswil, im Anhänger mit einem Bolzenschuss ins Gehirn bewusstlos machen. Mit einem Seilzug wird es anschliessend aus dem Anhänger in den Schlachtraum gezogen und ausgeblutet. Die Hälften werden im Kühlraum langsam auf 4°C herunter gekühlt und nach gut einer Woche ausgebeinelt. Am Donnerstagnachmittag dann wird das Fleisch von Therese und Christian mit Hilfe von Urs und Judit Schwander portioniert und in die 5 und 10kg Mischpakete aufgeteilt.

Die Natura-Beefs, welche wir über eine Viehandelsfirma an Coop verkaufen, werden auf die gleiche Weise ohne Stress separiert und oft in der Nacht geladen, nur ist es ein kleiner Lastwagen, häufig schon mit anderen Tieren, und der Weg nach Oensingen ist weiter.